Scheuermann
Grüne IT – Motor für echte Nachhaltigkeit

Interview mit Sabine Lobmeier, PR-Managerin von Cisco

Grüne IT ist alles andere als ein vorübergehender Hype. Nach wie vor beherrscht das Thema Schlagzeilen und Konferenzprogramme – und findet bei Entscheidungsträgern entsprechende Aufmerksamkeit. Die Erkenntnis setzt sich durch, dass ökologisch notwendige Transformationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft nur auf der Basis vernetzter IT-Systeme mit ökonomischen Interessen in Einklang zu bringen sind. Grüne IT ist der Schlüssel zum schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ebenso wie zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen. Die Herausforderungen fangen im Strom sparenden Data Center an und enden noch lange nicht bei der umweltgerechten Herstellung und Entsorgung elektronischer Geräte. Über die Möglichkeiten, geschäftlichen Erfolg im Einklang mit gesellschaftlichen Anforderungen und zum Wohle der Menschen, ihrer Gemeinschaft und Umwelt zu gestalten, sprachen wir mit Sabine Lobmeier, PR-Managerin von Cisco, München.


Was bedeutet „Grüne IT“ für Sie?

„Grüne IT“ ist für uns ein Teil unserer unternehmerischen Verantwortung. Klimaschutz ist ein zentrales Unternehmensziel und genießt Priorität. Unter der Überschrift „Grüne IT – Plattform für den Klimaschutz“ haben wir Anfang September dieses Jahres das neue Themenportal www.gruene-it.org gestartet. Die Webseite dient Unternehmen, Organisationen und der interessierten Öffentlichkeit als Informationsplattform zu jeglichen Themen, die in Verbindung mit „Grüner IT“ stehen. Das Portal soll sich zum Dreh- und Angelpunkt für die Diskussion rund um Grüne IT entwickeln. Dazu zählen Informationen von Marktforschungsinstituten ebenso wie Initiativen aus Wirtschaft, Politik und Non Governmental Organisations. Das Ziel des Portals ist es, alle Informationen zu sammeln, die sich darum drehen, wie mithilfe von IT der CO2-Ausstoß reduziert oder Informationstechnologie selbst energieeffizienter gestaltet werden kann. In einem Forum haben Besucher des Portals die Möglichkeit, sich an der Diskussion zu beteiligen.


Ein Portal macht ein Unternehmen noch nicht umweltbewusster.

Das ist richtig. Wir haben seit diesem Geschäftsjahr ein EcoBoard eingerichtet. Hier erschließt das Management Potenziale, wie Cisco in Deutschland sowohl „grüner“ werden als auch zum Klimaschutz beitragen kann. Darüber hinaus haben wir uns verschiedenen Initiativen angeschlossen, zum Beispiel der Clinton Global Initiative, die das Ziel hat, Großstädte weltweit Klima schonender zu organisieren. Mehr als Dreiviertel der globalen Treibhausgas-Emissionen gehen auf das Konto der großen Metropolen dieser Welt. Verkehrsstau zur Rush Hour ist nicht nur Gift für die Erdatmosphäre, sondern beeinträchtigt auch den Alltag von Millionen Menschen. Hier setzt das Projekt „Connected Urban Development“ an, das derzeit in den Pilotstädten Seoul, San Francisco und Amsterdam vorangetrieben wird. Vernetzte Verkehrsleitsysteme sollen im Zusammenspiel mit bürgerfreundlichen Online-Diensten die Notwendigkeit zum physischen Personentransport vermindern. Wenn Informationen zu den Menschen kommen – und nicht mehr umgekehrt – verbessern sich Lebensqualität und Klimaschutz gleichermaßen.


Wie kann ein Unternehmen dauerhaft einen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

Der Ausgangspunkt für den Weg in Richtung Nachhaltigkeit ist ein schonungsloser Blick auf sämtliche Aspekte der Geschäftstätigkeit. Nur so lassen sich Wege finden, die zur dauerhaften Verminderung der Gesamtemission eines Unternehmens führen. Alles, was Energie verbraucht, muss dafür auf den Prüfstand: Reisetätigkeit (insbesondere per Flugzeug), Gebäudemanagement, Arbeitsorganisation (etwa Home Working), Herstellungs- wie Logistikprozesse und eben auch die IT. Netzwerke sind von fundamentaler Bedeutung für bessere Energieausnutzung und effizienteres Energiemanagement. Es berührt praktisch jeden Geschäftsbereich und kann dadurch einen Multiplikatoren-Effekt in Gang setzen. Es wird somit zur Plattform, über die sich sparsamer Verbrauch fossiler Brennstoffe auf alle Unternehmensbereiche ausdehnen lässt.


Wie sieht das Engagement von Cisco in Sachen „Grüne IT“ aus?

Unser Engagement umfasst neben neuartigen „energieeffizienten“ Arbeitsformen zum Beispiel auch Ressourcen-Einsparungen im Rechenzentrum. Mit unserer Data-Center-Lösung mobilisieren wir brachliegende Ressourcen durch Virtualisierung. Dadurch entsteht ein gemeinsamer „virtueller“ Speicherpool, aus dem sich alle Anwendungen je nach Bedarf bedienen. Der Ausnutzungsgrad dieser Kapazitäten kann sich von derzeit 30 auf bis zu 70 Prozent erhöhen. Entsprechend geringer sind sowohl der Energieverbrauch (und die dadurch verursachten CO2-Emissionen) als auch die Kapital- und laufenden Administrationskosten je Gigabyte. Dies wird umso bedeutender, wenn man sich Untersuchungen der Gartner Group anschaut: IT- und Kommunikationssysteme sind für zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. 2006 verschlangen allein in Deutschland schätzungsweise 50.000 Rechenzentren rund 8.670 Gigawattstunden.


Wie können beispielsweise energieeffiziente Arbeitsformen aussehen?

Weitreichende Chancen zur Emissionsreduktion eröffnen unsere intelligenten Netzwerke vor allem als Plattform für neuartige Formen der standortunabhängigen Zusammenarbeit. Ein Beispiel dafür ist Cisco TelePresence: Diese Konferenz-Technologie bietet lebensgroße Flachbildschirme in einer speziell entwickelten Konferenzumgebung. Virtuelle Meetings über Länder und Kontinente hinweg stehen einem realen Treffen in punkto Begegnungsqualität in nichts mehr nach. Gerade Unternehmen mit vielen internationalen Niederlassungen können mit TelePresence etliche tausend Flugkilometer einsparen und neben Emissionen auch ihre Reisekosten beträchtlich reduzieren. Wir haben inzwischen 110 TelePresence-Räume rund um den Globus installiert und wollen damit im laufenden Geschäftsjahr gut zehn Prozent der reisebedingten CO2-Emissionen vermeiden, das entspricht etwa 36.000 Tonnen.


Wie sehen Regeln für eine glaubwürdige Umweltkommunikation aus?

Die Glaubwürdigkeit von Initiativen und Kampagnen ist nur dann gegeben, wenn konkrete Ziele dahinter stehen und diese im besten Fall auch messbar sind. Einfach nur eine Plakette „Öko“ oder „Grün“ aufzukleben, reicht in der Regel nicht aus. Bei der Kommunikation von gesellschaftsrelevanten und damit verantwortungsvollen Themen ist Nachhaltigkeit gefragt. Nur dann wird die Ernsthaftigkeit hinter den Projekten auch wahrgenommen. Unternehmen müssen daher ihre Aktivitäten immer wieder auf den Prüfstand stellen.


Frau Lobmeier, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Zum Interviewpartner:

Sabine Lobmeier ist PR Managerin bei Cisco in Deutschland und betreut dort das Thema „Grüne IT“.
Kontakt: slobmeie@cisco.com