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Der einsame Rufer in der virtuellen Wüste
Die Kunst im Netz gefunden zu werden
Von Michael Grupe,
Senior-Berater und Mitglied der Agenturleitung
Fink & Fuchs Public Relations AG
Alex Tew war ein einfacher Student und er hatte eine interessante Idee. Um sein Wirtschaftsstudium an der Universität von Nottingham zu finanzieren pro Jahr 10.000 Euro für Unterkunft und Gebühren startete er im August vergangenen Jahres die Website mit dem verführerischen Namen „Million Dollar Homepage“. Darauf bot er Millionen Pixel seiner Seite für je einen Dollar zum Kauf an, auf denen Werbekunden ihr Logo platzieren können. Beim Anklicken des Logos gelangt der Nutzer direkt auf die Homepage des Kunden. Bereits nach zwei Monaten brachte die Seite mehr als 200.000 Euro ein. Mittlerweile hat der Student alle Pixel auf der Website verkauft, die letzten tausend wurden sogar auf Ebay versteigert. Dass die Website mittlerweile gehackt wurde, tut der Erfolgsgeschichte keinen Abbruch - bekanntermaßen ist Neid ja die höchste Form von Anerkennung.
Oft sind es die einfachen Dinge, die zu außergewöhnlichen Erfolgen führen. Wie viele andere Nachahmer, die diese Idee mittlerweile mehr dreist als erfolgreich kopierten, wird so mancher denken: Warum bin ich nicht darauf gekommen? Wer es nicht wie Alex Tew schafft, seiner Website in kürzester Zeit Kultstatus zu verleihen und sich auf das unterstützende Medienecho verlassen kann, muss selbst die Initiative ergreifen. Denn täglich entstehen hunderte neuer Websites. Von den Blogs ganz zu schweigen. Und übersichtlicher wird es dadurch nicht. Doch um im Web trotzdem nicht übersehen zu werden, bedarf es nicht gleich eines revolutionären Geistesblitzes. Neben einigen gängigen Methoden kann man die Suchmaschinen für sich arbeiten lassen. Das Zauberwort heißt Suchmaschinenoptimierung.
Hommingberger Gepardenforelle entlarvt Suchmaschinen
Wie messe ich eigentlich den Erfolg der Website? Page Visits dienen zwar als eine der gängigen Messgrößen, doch geben sie nur bedingt Aufschluss über die Frage, wer eine Website besucht hat und ob auch wirklich die richtigen Adressaten vorbeigeschaut haben. Ja, und es sei sogar die Frage erlaubt, ob es überhaupt Menschen oder am Ende die Roboter der Suchmaschinen waren, welche die Quantität der Page Visits in neue Höhen getrieben haben. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass Profis die Roboter für sich arbeiten lassen, um die Klickrates ihrer Websites zu erhöhen.
Die Fachzeitschrift c’t startete im vergangenen Jahr einen Wettbewerb mit dem Ziel, die Top-Position für die Hommingberger Gepardenforelle in den Ergebnislisten von Google, Yahoo, MSN und Seekport zu ergattern. Davon abgesehen, dass die frei erfundene Forellengattung ziemlich schnell bekannt wurde, brachte der Wettbewerb noch ein paar andere wichtige Erkenntnisse. Nach Ablauf der ersten Phase gab Google an, mehr als 3 Millionen Sites zum Thema „Hommingberger Gepardenforelle zu kennen. Die Abfrage „Forelle“ ergab im Vergleich nur eine halbe Million Treffer. Auf den ersten Rängen der Trefferlisten tummelten sich dabei häufig nicht die aus Nutzersicht besten und informativsten Sites. Vielmehr landeten diejenigen vorn, deren Webmaster den meisten Aufwand für die Optimierung betrieben haben.
Sich in den Kopf des Suchenden denken
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Jeder, der im Internet Suchmaschinen für Recherchezwecke nutzt, wird bereits festgestellt haben, dass die Top-10-Ergebnisse nicht immer automatisch zum Ziel führen. Interessanterweise belegen Befragungen jedoch, dass Nutzer allenfalls noch die zweite Seite ihrer Suchergebnisse anklicken. Der Rest fällt durch das Raster. Also lohnt es sich, alles daran zu setzen, unter die Top-10, besser noch unter die Top-3 zu kommen. Das fängt bei so etwas profanem wie der Definition der Suchbegriffe an. Hierbei gilt es zu unterscheiden zwischen Keywords und Adwords. Keywords werden in den Content der Website eingepflegt, um zur Suchmaschinenoptimierung beizutragen. Sie generieren kostenlosen Traffic. Adwords auf Basis des Pay-per-Click-Verfahrens können auf dafür vorgesehenen Flächen von Suchmaschinen gebucht werden und erscheinen bei Eingabe des Suchbegriffs (bei Google beispielsweise in der rechten Spalte). Der dadurch generierte Traffic kostet zwar Geld, hilft aber dabei, innerhalb weniger Tage Keywords zu prüfen, zu optimieren oder auch zu verwerfen. Generell neigen Anbieter dazu, bei der Definition der Keywords ihr komplettes Produktportfolio unterzubringen. Das funktioniert aber nur dann, wenn der Suchende schon weiß, was er will. Suchbegriffe sollten aus der Kundenperspektive definiert werden. Während der Anbieter seine Lösungen anpreist, sucht der Kunde meistens, indem er sein Problem in der Suchmaske eingibt. So wird ein Anbieter für Datenspeicherung eher erfolgreich sein, wenn seine Website beispielsweise mit Keywords wie „Datenverlust“ assoziiert wird.
Einige gelungene Beispiele hierzu zeigt Mario Fischer in seinem Buch „Website Boosting“. Darin stellt er auch hilfreiche Online-Tools ( 1 | 2 ) vor, die nach Eingabe des Begriffs eine Reihe von Assoziationen liefern. Sicher eine bessere Alternative, als die Thesaurusfunktion in Word zu benutzen. Google stellt in seinem AdWords-Bereich innerhalb der Keyword-Tools eine grafische Übersicht zur Verfügung, bei der nach Eingabe eines bestimmten Suchbegriffs ähnliche Begriffe angezeigt werden. Auf Basis dieser Anzeige lassen sich Schlüsse auf die Mitbewerberdichte ziehen, also wie viele Unternehmen im Verhältnis mit diesem Keyword im AdWords-Programm werben. Fischer weist zudem darauf hin, dass neben der Psychologie des Suchenden auch seine mitunter vorhandene Rechtschreibschwäche berücksichtigt werden sollte. Demnach enthalten etwa 9 Prozent aller Suchabfragen Rechtschreibfehler. Über 14 Millionen Webseiten bei Google zeigen das Wort „Orginal“. Gar 15 Prozent aller Deutschen suchen nach der „Maschiene“. Wer also Werbegelder in AdWords investieren und sich von den Mitbewerbern abheben möchte, sollte dem potenziellen Kunden eine gewisse Rechtschreibschwäche zugestehen.
Hohe Page Ranks als Resultat guter Vernetzung
Das Erfolgsgeheimnis für eine Top-Platzierung ist die Vernetzung - besser gesagt die Verlinkung. Da Google mit über 80 Prozent Marktanteil der Platzhirsch unter den Suchmaschinen ist, dient das Unternehmen demnach auch als Traffic-Lieferant für die anderen Suchmaschinen. Also gilt es, bei Google eine entsprechend hohe Bewertung zu bekommen. Das entscheidende Kriterium dafür ist die Intensität der Verlinkung (Link Popularity), der so genannte PageRank. Je mehr externe Seiten auf die eigene verlinken, desto besser die Bewertung. Dabei werden Seiten mit hohem Verlinkungsgrad höher bewertet als eher unbekannte Sites. Google kann jedoch nur die Seiten zählen, die in der eigenen Datenbank gelistet sind. Hierzu kann ein passender Eintrag in den diversen Webkatalogen für einen zusätzlichen Sprung nach vorn bedeuten.
Wer sich nicht darauf beschränken möchte, das erfolgreiche Ergebnis einer Suchmaschineneingabe zu sein, der setzt auf Online-Werbung. Nachdem ein Großteil der Werbebudgets von Printformaten in den Online-Bereich gewandert ist, gehört auch die Platzierung von Bannern oder das Schalten kontextabhängiger Adlinks zum Standard. Die Communities generieren ihre Inhalte selbst und die Werbung richtet sich immer weniger nach vorhandenen Anzeigenumfeldern als vielmehr nach dem Verhalten der User. In der aktuellen Ausgabe von Brand Eins wird in dem Artikel „Werbung 2.0“ beschrieben, wohin die Reise geht: Systeme werden nicht mehr auf Suchanfragen warten, sondern proaktiv arbeiten. Mit dem Kauf von Youtube hat Google dabei einen weiteren strategischen Schritt in Richtung allumfassender Werbe-Plattform getan. Und das Amazon-Prinzip der persönlichen Ansprache, basierend auf der Arbeit von Anzeigen-Servern wird zunehmend Website-übergreifend eingesetzt. Der Austausch von Surfdaten ermöglicht den Anbietern, Vorschlagsmarketing, Media und Verkauf viel zielgerichteter miteinander zu verknüpfen.
Affiliate Marketing und Suchmaschinenoptimierung als Hoffnungsträger
„Integrated Bahavioral Targeting“, „Select Affinity“ und „Adcatch“ heißen die neuen Techniken, die vor allem von AOL und Microsoft angeboten werden und mit denen eines sicher ist: Ihre Schritte im Internet werden nicht nur ganz genau beobachtet, sondern auch miteinander in Verbindung gebracht. Werbeanbieter werden Ihre Webspaziergänge zukünftig punktgenau rekonstruieren und ihre Botschaften und Angebote darauf ausrichten. Eine neue Form der Anzeigenabrechnung, das so genannte „Affiliate Marketing“, macht es möglich. Hierbei handelt es sich um Anzeigen-Partnerprogramme, die genau den Weg vom Anzeigenklick zum Kauf dokumentieren und allen Beteiligten ihre Provisionen zuweisen. Otto oder Ebay platzieren ihre Banner mittlerweile über Affiliate-Dienstleister und lassen sich von den tausenden Partner-Websites die zahlungskräftige Kundschaft aus dem Internet herausfiltern.
Marketing-Experten bestätigen den Trend: Neben Keyword-Advertising gelten Affiliate-Programme und Suchmaschinenoptimierung zu den Hoffnungsträgern für Online-Werbetreibende - mit dem Ziel, möglichst alles über den Kunden und seine Vorlieben zu erfahren. Also, wenn Sie doch sowieso nirgendwo im Web mehr ausschließlich unter Ihresgleichen sind und die Werbe-Petze Sie permanent verrät, dann sollten Sie doch zumindest dafür sorgen, dass auch Sie ein wichtiges Ausflugsziel der Online-Spaziergänge Ihrer Kunden und Interessenten werden beziehungsweise bleiben. Oder Sie konzentrieren sich einfach darauf, den Alex Tew in sich zu wecken.
10 Methoden, um im Netz gefunden zu werden
1. Die Domain
Je älter und etablierter, also verlinkter die Domain ist, umso größer die Chancen für ein hohes Ranking. Neue Domains klingen zwar schick, werden aber stehen den Spammern sei Dank bei Google prinzipiell mit besonderen Filtern beobachtet. Vor allem, wenn die Anzahl der Verlinkungen innerhalb kürzester Zeit in ungeahnte Höhen schnellt. Hier ist also ein wenig Geduld gefragt. Und so banal es klingt: wenn schon eine neue Domain, dann doch bitteschön mit einem prägnanten Namen. Auch wenn Sie denken, alle guten Namen seien schon vergeben, stecken Sie Ihr kreatives Potenzial in die Entdeckung eines passenden Namens. Wie nahe liegend ist es doch beispielsweise, wenn ein Anbieter von Kontaktlinsen sein Portfolio unter www.linsensuppe.de anpreist.
2. Keywords und zwar die richtigen
Versetzen Sie sich in die Lage des Suchenden. Fragen Sie einige Außenstehende und weniger „Betriebsblinde“, wonach diese suchen würden, um Sie zu finden.
3. Bannerwerbung
Die Auswahl ist reichhaltig. Von Budget und Botschaft hängt es ab, ob statische, animierte oder Rich Media-Banner mit Videofilm und Ton eingesetzt werden. Man sollte sich jedoch vor Augen führen, dass in Zeiten von Youtube und Myvideo die Anspruchshaltung an die Qualität von Werbebotschaft und Verpackung deutlich gestiegen ist.
4. Email-Newsletter
Der gute alte Newsletter ist immer noch ein beliebtes, weil zielgerichtetes und kostengünstiges Kommunikations-Tool. Achten Sie darauf, dass Ihr Newsletter nicht einfach als Attachment verschickt, sondern auf Ihrer Website gehostet wird. So stellen Sie sicher, dass die Inhalte Ihres Newsletters auch verlinkt und bei den Abfragen der Suchmaschinen-Roboter berücksichtigt werden.
5. Weblogs / Foren
Zum Thema Blogs ist in diesem Jahr nun wirklich alles gesagt worden. Mit nützlichen Hinweisen und der Beteiligung an virtuellen Diskussionsrunden können Sie Themen platzieren, neue Leute treffen und diese auf Ihre Website lotsen. Zudem sorgen die vielfältigen Verlinkungsoptionen und das Blog-immanente Ping-Verfahren für schnelle Präsenz in den einschlägigen Blog-Suchmaschinen wie Technorati.com oder http://blogsearch.google.de.
6. Virales Marketing
Virales Marketing offeriert Strategien und Taktiken zur Planung, Durchführung und Kontrolle von Marketingaktionen, die gezielt Mund-zu-Mund Propaganda auslösen sollen. Wie ein Virus sollen sich Informationen über ein Produkt oder eine Dienstleistung innerhalb kürzester Zeit von Mensch zu Mensch verbreiten. Nur so ist beispielsweise die weltweite Bekanntheit der Suchmaschine Google zu erklären, die keinen Pfennig in klassische Werbemaßnahmen investiert hat. Ein aktuelles Beispiel für erfolgreiches Viral-Marketing ist Lonelygirl15. In der Youtube-Community erlangte sie Kultstatus und erst nach Monaten wurde die Inszenierung dreier junger Filmemacher enttarnt. Ein perfektes Beispiel, denn die Beiträge erfüllten alle Anforderungen an erfolgreiches Viral-Marketing: Den Übertragungsweg (Youtube), den idealen Wirt (Lonelygirl) und infektiöse Inhalte (das Leben von Lonelygirl15). Einen guten und gleichzeitig unterhaltsamen Einblick in die Kunst des viralen Marketing bietet das Buch „Tipping Point“ von Malcolm Gladwell.
7. RSS-Feeds
RSS (Really Simple Syndication) Feeds bieten Beiträge aus Newslettern oder Weblogs auf dem Webserver an. Auch wenn der Empfänger diese anonym auf Knopfdruck abruft, wenn er Zeit und Lust darauf hat, dienen sie als zusätzlicher Kommunikationskanal im Web und werden bei entsprechender Qualität zu einer thematischen Bindung mit den Abrufenden führen.
8. Affiliate Marketing
Affiliate Marketing, auch unter dem Begriff Associate Partner Programs bekannt, ist ein Marketing- und Vertriebskonzept für das Internet. Dabei geht es um die Eröffnung neuer Vertriebskanäle über Partner-Websites, in der Regel auf Basis von Provisionszahlungen.
9. Podcasts
Herunterladbare Mediendateien, typischerweise im MP3-Format bieten Unternehmen neue Formen, ihre Beiträge aufzubereiten. Mit speziellen RRR-Aggregatoren können Nutzer diese RSS-Feeds abonnieren.
10. Suchmaschinenmarketing
Neben diesem Artikel finden Sie zu dem Thema hier weitere Informationen.
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