...kann man bald auch mit geschlossenen Augen sehen
Die Idee ist nicht neu, aber dennoch faszinierend: mit Hilfe von Sensoren soll es möglich sein, mit der Zunge Dinge wahrzunehmen und damit die Sehkraft der Augen zu ergänzen oder zu ersetzen. Bereits vor über 30 Jahren hatte Paul Bach-y-Rita, Hirnforscher an der US-amerikanischen Universtity of Wisconsin, den ersten Prototypen eines solchen Zungensensors entwickelt. Mit dem Gerät namens „Brain Port“ ließen sich über kleine Elektroden Signale auf die Zunge übertragen. Dadurch konnte zum Beispiel Blinden geholfen werden: Ein Patient, der im Alter von 13 Jahren sein Augenlicht verlor, konnte 20 Jahre später plötzlich einen Ball fangen und durch eine Tür spazieren. Eine kleine Kamera an seiner Stirn, deren Informationen elektronisch aufbereitet und dann an den Zungensensor weitergeleitet werden, machte es möglich. Anil Raj will diese Technologie weiterentwickeln und künftig im Auftrag des US-Militärs nutzen, um beispielsweise Tauchern übermenschliche Sinneskräfte zu verleihen. Eine mögliche Anwendung wäre eine sogenannte Infrarot-Zunge. Sie würde Soldaten helfen, in der Dunkelheit zu sehen – ohne ein Nachtsichtgerät vor dem Auge. Dafür soll auf ihren Helmen ein IR-Sensor mit 360-Grad-Rundumsicht montiert werden. Sie hätten dann sogar im Blick, was hinter ihrem Rücken passiert.



...fragt Miss Robot, wie der Tag war
Die Einsatzgebiete „menschlicher“ Roboter sind vielfältig: Angesichts steigender Single-Zahlen und immer mehr Ein-Personen-Haushalten klagen viele Menschen zum Beispiel über zunehmende Vereinsamung. Hier könnte nun ein neuer Prototyp mit der Bezeichnung EveR-1 Abhilfe schaffen. „Sie“ ist etwa 1,60 Meter groß, 50 Kilogramm schwer, hat langes schwarzes Haar und vermittelt den Eindruck, etwa 20 Jahre alt zu sein. Der Android kann Mimik ausdrücken, blinzeln und bewegt beim Sprechen die Lippen. Zwar ist der Wortschatz der von südkoreanischen Wissenschaftlern entwickelten Roboterdame bisher auf rund 400 Wörter beschränkt, aber dafür beherrscht sie verschiedene Gesichtsausdrücke zu den Gefühlen Glück, Ärger, Freude und Trauer. Momentan kann EveR-01 nur den Oberkörper bewegen, bald soll jedoch ein neuer Prototyp fertig sein, der sich auch setzen oder hinstellen kann. Interessant wird sein, ob EveR-1 ähnlich einem Tamagotchi ständige Beschäftigung braucht oder nur bei Bedarf für Unterhaltung sorgt.


...warnt das Navigations- system bald eindringlicher vor Gefahren
Wenn man an Computer-stimmen denkt, fallen einem wohl zuerst solche Attribute wie klar verständlich, meist weiblich und vor allem unaufgeregt ein. Egal, ob man nach 10-stündiger Fahrt von Freiburg nach Rostock endlich das Ziel erreicht hat, in einem Callcenter die Optionen erklärt bekommt, aus denen man wählen kann oder die Staumeldungen eines Radiosenders abhört, nie klingt auch nur die Spur von Emotionen durch. Das wollen Forscher jetzt ändern, stehen dabei aber vor einer großen Herausforderung: „Die Gefühlsebene mit hineinzupacken ist ein kompliziertes Feld“, sagt Rüdiger Hoffmann, Leiter des Instituts für Akustik und Sprachkommunikation an der Technischen Universität Dresden. Während es bisher vor allem darum ging, dass Menschen die Worte aus dem Computer überhaupt verstehen, erforschen die Spezialisten heute, wie die künstliche Sprache menschenähnlicher gemacht werden könnte – durch Rhythmik, Satzmelodie und emotionale Färbung, aber auch durch so genannte paralinguistische Elemente wie Räuspern oder Atem holen. Allerdings darf die Computersprache auch nicht zu überzeugend sein: „Viele Systembetreiber sind mit den jetzigen Systemen prinzipiell zufrieden“, sagt Bernhard Kämmerer von Siemens. So wäre es ziemlich lästig, wenn einen die Stimme aus dem Navigationsprogramm anschreit, nur weil man nicht die vorgeschlagene Route nimmt...



...ist die Reise durchs Ich jetzt keine Utopie mehr
Der Film „Die Reise ins Ich“ ist in den 80er Jahren ein echter Kassenschlager gewesen. Allerdings war es damals wie heute Zukunftsmusik, einen Menschen zu verkleinern und auf eine Reise durch den Körper zu schicken. Ohne menschliche Passagiere ist eine solche Tour inzwischen aber sehr wohl möglich. Mit der 26 Millimeter langen und 11 Millimeter dicken Kapsel der israelischen Firma Given Imaging ist auf einer solchen „Reise durch die Innereien“ viel zu entdecken, wie Jens Frantzen und Manfred Klimek in einer Fotoreportage für Technology Review zeigen. Neben einer hoch auflösenden Miniaturkamera enthält die Kapsel eine Lichtquelle und einen Sender. Während der Reise durch den Körper macht sie zwei Bilder pro Sekunde. Dabei erfasst sie mit einem Gesichtsfeld von 140 Grad ihre Umgebung und zeigt Objekte mit einer Größe von weniger als 0,1 Millimeter. Neben der Diagnose von Krankheiten, die von außen nicht mit Sicherheit erkennbar sind, könnte die Kapsel zukünftig auch Medikamente lokal aufbringen oder kleine Gewebeproben entnehmen. Auch wenn der Arzt bisher noch nicht mit in der Kapsel sitzt.