Interview

Wie eine Partnerschaft
die Informationsgesellschaft gestalten kann

Public Private Partnerships gewinnen auch bei den ITC-Themen immer mehr an Bedeutung. Die Gestaltung der Zukunft, Förderung von Innovationen aber auch die Schaffung von Verständnis und Akzeptanz sowie der Abbau von Zugangsbarrieren sind weder für den Staat oder noch für Unternehmen alleine zu bewältigen. Es gilt Kräfte zu bündeln, um Deutschland auf dem Weg in die Zukunft weiter nach vorne zu bringen. Deshalb sprachen wir mit Barbara Zimmers, Geschäftsführerin der Initiative D21 e.V., einer der größten Initiativen dieser Art in Deutschland.





Frau Zimmers, wo steht Deutschland aktuell auf dem Weg zur Informationsgesellschaft?

Surfen, Suchen, Shoppen – der Gang ins Internet ist für die meisten von uns mittlerweile zur Gewohnheit geworden. Über 55 Prozent der Deutschen waren laut (N)ONLINER Atlas 2005 im Internet unterwegs. Sieht man das Internet als Indikator für Deutschlands Wandel zu einer Informationsgesellschaft, könnte man meinen, man hätte einen großen Teil des Wandels schon gemeistert. Doch die Realität sieht für einige Zielgruppen auch heute noch anders aus: Durch Deutschland zieht sich für sie ein digitaler Graben.


Was passiert nun bei uns, um diese Herausforderung zu lösen?

Um diesen Graben zu schließen, gründeten 1999 mehr als zwanzig Unternehmen verschiedenster Branchen gemeinsam mit der Bundesregierung die Initiative D21. Seither steht sie als Zukunftsinitiative für „Deutschland im 21. Jahrhundert“, dem Jahrhundert, das von Informations- und Kommunikationstechnologien maßgeblich geprägt werden wird. In der Gründungsphase der Initiative, als die Internet-Branche boomte, war der Graben vergleichbar tiefer als heute: Junge, gut ausgebildete, Technik affine Männer mit gutem Einkommen waren die Pioniere des Netzes. Heute überholen junge Frauen die Männer und die „Silver Surfer“ über 50 Jahre surfen begeistert durchs World Wide Web. Diese Fortschritte sind nicht zuletzt Ergebnis einer Vielzahl zielgruppenspezifischer Projekte, die die D21-Partner vorangetrieben haben.


Wie arbeitet eigentlich die Initiative D21?

Die Initiative D21 hat gemeinsam mit der Bundesregierung als „Partnerschaft für die Informationsgesellschaft“ eine Form der Zusammenarbeit erschaffen, die es bis dato in Deutschland so nicht gab: Über Branchen und Parteien hinweg kommen Partner aus Politik und Wirtschaft in praxisorientierten, interdisziplinären und gemeinnützigen Projekten zusammen. Gemeinsam treiben sie derzeit fast 40 Projekte voran. Das sind im Allgemeinen Projekte, die sich mit der Verbesserung von Bildung und Qualifikation in Bezug auf die neuen Medien beschäftigen. Es werden aber auch neue Entwicklungen und Themen im ITK-Bereich aufgegriffen und die damit verbundenen Veränderungen und Chancen für die Gesellschaft diskutiert (z.B. Mobile Gesellschaft).


Haben Sie dabei Schwerpunkte gesetzt?

Die Projekte sind vier Themenbereichen zugeordnet: „Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit“, „Bildung, Qualifikation und Chancengleichheit“, „eGovernment/ Sicherheit und Vertrauen im Internet“ und „IT im Gesundheitswesen“. Sie werden begleitet durch intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – beispielsweise in Form von Studien, Diskussionsrunden, Pressegesprächen, Kongressen und vielem mehr. Durch die Projekte und die öffentlichen Veranstaltungen gibt D21 Impulse für die Arbeit mit den neuen Medien. Sie steht als neutraler Gesprächspartner zur Verfügung, der die verschiedensten Seiten des Internets und der neuen Medien beleuchten kann, und spricht Handlungsempfehlungen aus.


Was unterscheidet sie nun von anderen Initiativen?

Bei uns zählt stets der Gedanke der Partnerschaft: Anders als ein Branchenverband versteht sich D21 als übergreifendes Netzwerk, als neutrale Plattform, auf der diejenigen aus Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichen Initiativen mitwirken, die sich über die zentrale Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien für den Standort Deutschland bewusst sind und in diesem gesellschaftlichen Umfeld aktiv gemeinsam etwas bewegen möchten. Mitglieder sind große Unternehmen der Informationstechnologie genauso wie Verlage, Krankenkassen, Versicherungs-, Touristik- und Automobilkonzerne, mittelständische Unternehmen und Vereine.

Diese Partnerschaft spiegelt sich auch in den D21-Gremien wieder: Den Beirat bilden SpitzenvertreterInnen der deutschen Wirtschaft und gesellschaftlicher Initiativen sowie RegierungsvertreterInnen des Bundes und der Länder. In den so genannten Lenkungsgruppen, die die Themenbereiche der Projektarbeit steuern, sind jeweils StaatssekretärInnen der beteiligten Ministerien als auch VertreterInnen des D21-Vorstands aktiv, der wiederum aus Mitgliedsunternehmen verschiedenster Branchen bestellt wird. Auch bei den Projekten gilt: Mindestens ein politischer Partner und zwei D21-Mitgliedsunternehmen müssen das Projekt tragen.


Was bringen die Mitglieder eigentlich ein?

Die Initiative D21 ist ein eingetragener Verein. Seine Grundfinanzierung erhält der Verein allein über Mitgliedsbeiträge – also nicht über staatliche Mittel. Viel wichtiger ist aber das ehrenamtliche Engagement der Mitgliedsunternehmen und der politischen Partner: Unternehmensvorstände, Staatssekretäre und ihre MitarbeiterInnen zeigen konstant ein sehr großes persönliches Engagement. Diese unentgeltliche aktive Arbeit macht D21 und ihre Projekte erfolgreich. Hinzu kommt dann die Bereitstellung von Räumlichkeiten oder die Übernahme von Reise-, Catering- oder Druckkosten für die eigenen Projekte. So trägt bei der Initiative D21 jeder Partner in seinem Maße zum Erfolg bei und kann die Wege in die Informationsgesellschaft aktiv mitgestalten.

18,1 Prozent mehr Deutsche haben so seit der Gründung der D21 den Weg ins Netz gefunden. Aber nach wie vor haben 44,9 Prozent der Deutschen das Internet noch nicht entdeckt. Hier gilt es auch weiterhin aktiv zu sein!


Wir bedanken uns für das Gespräch.

Weitere Informationen: www.initiativeD21.de