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Johnny Häusler vom Spreeblick-Blog über das Phänomen "Blogs" Blogs nehmen im Kontext neuer Medienformate immer mehr Diskussionsraum ein. Es wird sowohl über ihre meinungsbildende Relevanz gestritten als auch überlegt, wie man sie zielgerichtet im professionellen Kommunikationsmix einsetzen kann. Für die Redaktion der PRoFILE ist dies Anlass genug, mit einem so genannten A-Blogger über das Phänomen Weblog zu sprechen. Johnny Häusler entwickelte bereits 1998 einen Musik-Download-Service im Internet (Konzept "X"), der dem wesentlich später gelaunchten iTunesMusicStore von Apple sehr ähnlich ist. Seit 2002 führt er mit SPREEBLICK eines der inzwischen erfolgreichsten deutschen Weblogs, das monatlich knapp 100.000 Leser erreicht. Er war unter anderem mit verantwortlich dafür, dass die Geschäftspraktiken eines Klingeltonanbieters über Spreeblick den Weg in die klassischen Medien schafften. Herr Häusler, sind Blogs ein neues Element der Medienlandschaft und wer sind die wichtigsten deutschen Blogger? Selbstverständlich sind Blogs längst ein Teil der Medienlandschaft, so wie es das Internet generell ist. Blogs erhalten durch die eigene Infrastruktur mit Verlinkungen und Trackbacks sowie durch ihr teilweise relativ hohes Google-Ranking derzeit besondere Aufmerksamkeit in den klassischen Medien. Die Frage nach den wichtigsten deutschen Bloggern kann ich nicht beantworten. Wenn es beispielweise um Medienaufmerksamkeit geht, kann sich das in wenigen Stunden ändern. Wenn es um Zugriffszahlen geht, sieht man wiederum nur eine Seite der Geschichte. Blogs haben ihre Wirkung nicht allein durch Masse, sondern auch durch Klasse. Eine Zugriffsübersicht ist ständig unter der Adresse www.counter.blogscout.de zu finden. Sind A-Blogs neue Content-Angebote oder lediglich eine weitere Recherche-Quelle? Jedes Blog ist anders und verdient daher eine eigene Beurteilung. Blogs können banal sein und dennoch enorm unterhaltend, sie können journalistische Arbeit leisten und trotzdem keine Leser haben. Ich persönlich sehe Spreeblick inzwischen sowohl als Medien- und Produkt-Filter als auch als eigenen Sende-Kanal, wir bieten mit täglichen Podcasts und mit zwei Videocasts pro Woche bereits eigene Inhalte an. Ob diese jemals in Konkurrenz zu etablierten Medien stehen werden, ist uns dabei recht egal - sie finden auf alle Fälle ein Publikum. Was halten Sie von CEO- und Mitarbeiter-Blogs? Viel, wenn sie gut sind! Ich kenne jedoch bisher kein Unternehmen, das es seinen Mitarbeitern gestatten würde, frei über ihren Job zu bloggen. Ein Blog besteht zunächst einmal aus der schreibenden Person, in den seltensten Fällen aus mehreren Autoren. Wird ein Blog nach klassischen PR-Verfahren gefüttert, verkommt es zu einem rein technischen Hilfsmittel, einem einfachen CMS. Mit der Kultur des Bloggens hätte ein "korrigiertes" Blog nicht mehr viel zu tun. Unternehmen sollte außerdem klar sein, dass die Betreuung eines Blogs nicht nur aus dem Schreiben der Artikel besteht, sondern noch viel mehr aus der Kommunikation mit den Lesern. Wer diesen Teil des Bloggens unterschätzt, wird nur im seltensten Fall Leser finden. Was können Unternehmen tun, um mit sogenannten A-Bloggern ins Gespräch zu kommen? Ihnen eine E-Mail schicken oder sie auf Veranstaltungen ansprechen! Blogger sind keine Außerirdischen, sie sind in vielen Fällen sogar sehr geübt im Umgang mit Kommunikation und einige von ihnen haben das Cluetrain-Manifest gelesen, das meiner Meinung nach zur Pflichtlektüre eines Unternehmens gehören sollte. Interessierte finden das Manifest im Internet. Man kann es aber auch als Buch kaufen. Was hat der Klingeltonanbieter Jamba! aus Ihrer Sicht falsch gemacht? Die Mitarbeiter von Jamba! haben ihre Kommentare bei Spreeblick damals als die von Privatleuten ausgegeben und teilweise sogar ihre Mitarbeit bei Jamba! bestritten. Das Unternehmen, oder seine Vertreter, hat seine Kunden vorsätzlich belogen. Einen größeren Fehler kann man als modernes Unternehmen kaum machen. Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung von Blogs Hype oder Trend? Ich bin sicher kein Wahrsager, aber ich denke, dass uns in Deutschland noch einige spannende Geschichten im Zusammenhang mit Blogs bevorstehen. Das neueste Beispiel des Grup-Tekkan-Videos, das es zwar unabsichtlich aber dennoch innerhalb einer Woche von Blogs in die Fernsehsendung "TV Total" geschafft hat zeigt, wie stark die Online-Generation miteinander vernetzt ist. Ob Blogs ein Hype oder Trend oder was auch immer dabei sind, ist unerheblich. Wären sie belanglos, wäre dieses Interview sicherlich nicht angefragt worden. Herr Häusler, vielen Dank für dieses Gespräch! |
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