Systems 2005: Überschaubar - Aussteller zufrieden
In nur noch vier Hallen präsentierte sich die diesjährige Systems. 1.290 Aussteller auf kleinerer Fläche lockten dennoch nach Aussage des Veranstalters rund 60.000 Besucher auf das Münchner Messegelände. Das sind zwar acht Prozent weniger Besucher, aber nach Aussage eines Ausstellers war man mit der Qualität und der Zahl der geführten Gespräche sehr zufrieden.

Zu den großen Themen der Systems 2005 gehörte IT-Sicherheit. Rund 320 Aussteller kamen allein aus diesem Themenfeld. Auch im nächsten Jahr will sich die Messe auf Fokusthemen ausrichten und ihr Mittelstandsprofil weiter schärfen. Mobilfunk und Kommunikation sollen auf der Systems 2006 den Ton angeben, unter anderem mit der auf zwei Tage ausgedehnten Konferenz "Communication World“. Dieser neuen Ausrichtung fällt allerdings die Kooperation mit den Münchener Medientagen zum Opfer, die nächstes Jahr nicht parallel zur Systems stattfinden werden.



ITK-Branche wichtiger als Maschinen- und Fahrzeugbau
Wie das Statistische Bundesamt zu Beginn der Systems 2005 mitteilte, betrug der Anteil der ITK-Branche an der gesamten inländischen Wertschöpfung im vergangenen Jahr 4,3 Prozent (87 Milliarden Euro). Vor zehn Jahren hatte der Anteil noch 3,7 Prozent betragen. Allerdings bezieht sich die Berechnung auf die Branchenabgrenzung der OECD, die auch Nachrichtentechnik, Audio- und Videogeräte sowie Medizin-, Mess- und Fototechnik berücksichtigt.

Damit übersteigt die Informations- und Kommunikationstechnologie die Bedeutung des Maschinenbaus und des Fahrzeugbaus. Deren Wertschöpfung hatte im Jahr 2003 bei 64,2 beziehungsweise 73,0 Milliarden Euro gelegen. Die endgültigen Zahlen für Maschinenbau und Fahrzeugbau liegen für 2004 zwar noch nicht vor, doch das Volumen der Wertschöpfung werde sich nicht wesentlich verändern, so Ulrich Greiner vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden.

Die Ausgaben für den Konsum von ITK-Gütern und -Dienstleistungen sind im Zeitraum von 1995 bis 2004 von umgerechnet 32,9 Milliarden Euro auf 50,7 Milliarden Euro gestiegen. Ihr Anteil an den Konsumausgaben insgesamt hat sich mit 2,9 Prozent im Jahr 2004 gegenüber 1995 aber kaum verändert. Bei den Investitionen spielten die ITK-Produkte mit einem Anteil von etwas über neun Prozent an allen Investitionen im Jahr 1995 und 12,2 Prozent im Jahr 2004 eine deutlich größere Rolle. Auf Hardware- und Softwareprodukte entfielen im Jahr 2004 zwei Drittel aller Investitionen durch den Kauf von ITK-Produkten insgesamt. Ausländische Käufer gaben 1995 umgerechnet rund 44 Milliarden Euro für deutsche ITK-Produkte aus. Im Jahr 2004 waren es 98,5 Milliarden Euro, was einem Anteil von 11,7 Prozent an allen Exporten entspricht.



BITKOM fordert ressortübergreifende Koordination der Innovationspolitik
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) hat die zersplitterten Zuständigkeiten in der Innovationspolitik des Bundes scharf kritisiert. "Die Auseinandersetzung zwischen Wirtschafts- und Forschungsministerium um die Verantwortung für neue Technologien zeigt die dringende Notwendigkeit, Innovationspolitik künftig ressortübergreifend zu koordinieren“, sagte BITKOM-Präsident Willi Berchtold. Der BITKOM schlägt deshalb vor, einen Innovationsbeauftragten im Rang eines Staatsministers im Kanzleramt einzusetzen. Anlässlich der Systems präsentierte Berchtold ein Grundsatzpapier mit Empfehlungen an die neue Bundesregierung. Wesentliches Ziel der Innovationspolitik müsse es sein, die technologische Leistungsfähigkeit des Landes zu stärken, betonte Berchtold. Die ITK-Branche gehöre mit rund 750.000 Beschäftigten, 134 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2005 und einem Exportvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in Deutschland. "Unser Ziel ist es, langfristig mehr als 100.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen“, sagte Berchtold. Voraussetzung dafür sei, dass die Politik die Wirtschaft mit den geeigneten Maßnahmen flankiert. Wie dies gelingen kann, zeigten Ansätze aus Irland und Skandinavien, die der Branchenverband in seinem Grundsatzpapier analysiert hat. Ziel müsse sein, Bürokratie beschleunigt abzubauen, die Belastung mit Steuern und Abgaben zu verringern, den Arbeitsmarkt flexibler zu gestalten und Sonderauflagen für die Hightech-Branche zu beenden.



Bankenverband: Aus Phishing-Wellen wird Phishing-Flut
Vom Trend zum Online-Banking wollen auch Kriminelle profitieren. Laut dem Bundesverband deutscher Banken (BdB) wickeln inzwischen rund 40 Prozent der deutschen Bankkunden zumindest die Standardvorgänge ihrer Bankgeschäfte online ab. Seit Sommer vergangenen Jahres beobachtet der BdB so genannte Phishing-Mails, mit denen Betrüger die Zugangsdaten der Bankkunden ergaunern wollen. "Waren es zunächst Phishing-Wellen, ist mittlerweile kein Abflauen mehr zu beobachten", sagt Verbandssprecherin Kerstin Altendorf in der Zeitschrift Computerwoche. Wie Computerwoche schreibt, arbeiten die Betrüger mit immer trickreicheren Methoden. Sie setzen Programme ein, die Tastatureingaben aufzeichnen oder die Bewegungen des Mauszeigers auf dem Bildschirm festhalten. Damit lassen sich auch virtuelle Tastaturen knacken, über die der Kunde seine Geheimzahl am Bildschirm eingeben kann. Gut für die Kunden: Bisher haben die Banken den entstandenen Schaden übernommen. "Mir ist kein Fall bekannt, bei dem Kunden auf ihren Schäden sitzen geblieben sind", so Altendorf. Das Risiko bestehe allerdings weniger in dem finanziellen Schaden, sondern im Vertrauensverlust der Anwender. Der Bankenverband hat daher zehn Regeln für Sicherheit im Online Banking in einer kostenlosen Broschüre zusammengestellt.


IFA: Jedes Jahr aufs Neue
Die Internationale Funkausstellung (IFA) soll ab 2006 zur jährlichen Messe ausgebaut werden. Die Veranstalter Messe Berlin und die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) einigten sich auf diesen Rhythmus. Die Industrie reagiere damit auf die rasante Marktentwicklung mit zweistelligen Zuwachsraten und immer kürzeren Produktentwicklungszyklen, sagte der gfu-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Hecker. Bei den Unternehmen stieß diese Nachricht auf geteiltes Echo, wie eine Umfrage des hightech presseclubs ergab. Viele Unternehmen konzentrierten demnach ihre Aktivitäten im nächsten Jahr auf die Fußball-WM. "Der Messeauftritt vieler Firmen wird sich vermutlich verkleinern“, so ein Sprecher der Loewe AG. "Aber wir werden uns an der jährlichen IFA auf jeden Fall beteiligen.“ Andere Unternehmen wie Pioneer und Panasonic entscheiden in den kommenden Wochen, ob sie an einer IFA 2006 teilnehmen werden.

Bei den Veranstaltern der CeBIT herrscht indes Gelassenheit: "Wir gehen nicht davon aus, dass die CeBIT in Frage gestellt wird", sagte der für die Computermesse zuständige Vorstand Ernst Raue im Interview mit der dpa. Allerdings würde ein einjähriger IFA-Turnus die Budgets der Messekunden beeinflussen, räumte er ein. Damit gebe es eine Messe mehr, "die nicht notwendig wäre".



Forrester: Wachstum der IT-Ausgaben verlangsamt sich
Die Analysten von Forrester Research sagen für das Jahr 2007 einen Einbruch bei den IT-Ausgaben in den USA vorher. Das Wachstum werde sich von sieben Prozent in 2005 und 2006 auf zwei Prozent verlangsamen. Die Gründe sehen die Marktforscher in zwei Faktoren: Zum einen im langsameren Wachstum der US-Wirtschaft, zum anderen in der bereits hohen Verbreitung von Internet-Technologien. In den vergangenen 60 Jahren hat Forrester nach eigenen Angaben drei Investitionszyklen identifiziert, die sich in eine Innovations- und Wachstums-Phase sowie eine Verarbeitungsphase teilen. Gegenwärtig seien die Anwender noch damit beschäftigt, die 2001 begonnenen Investitionen in Internet-Technologien zu "verdauen“, heißt es bei Forrester. Auf Basis ihrer Analysen prophezeien die Marktforscher einen neuen Innovations- und Wachstumszyklus in den Jahren 2008 und 2009, wenn neue Technologien wie VoIP oder Server-Virtualisierung die allgemeine Marktreife erreicht haben werden.



Kabelnetzbetreiber übertreffen Ausbaupläne für Internet und Telefon
Die Einführung von Internet und Telefondiensten über die Fernsehkabelnetze gewinnt weiter an Fahrt. Die Mitglieder des Deutschen KabelverbandsKabel Deutschland, Kabel BW (Baden-Württemberg), iesy (Hessen) und ish (NRW) – werden in diesem Jahr 5,8 Millionen Haushalte mit Internet und Telefon aus dem Kabel versorgen und ihre Ausbaupläne um über eine Million Haushalte übertreffen. Das bestätigte der Präsident des Deutschen Kabelverbands, Rüttger Keienburg, anlässlich der Medientage München Ende Oktober. Die Kabelnetzbetreiber wollten "die bisherige Schlusslicht-Stellung Deutschlands im Breitband-Wettbewerb aufbrechen, in dem sie erstmals eine echte Alternative zum DSL-Monopol schaffen.“ Diese Leistung erbrächten die Netzbetreiber in einem nach wie vor überregulierten Umfeld. Der Abbau von medienpolitischer Überregulierung sei daher dringend erforderlich.

Zeitgleich mit den Medientagen starten die Mitglieder des Deutschen Kabelverbands eine gemeinsame Vermarktungs-Offensive, die Internet und Telefon aus dem Kabel bundesweit als DSL-Alternative bekannt machen soll. Unter der Adresse www.kabelinternet.de sind Verbraucherinformationen zum Thema abrufbar. Zusätzlich schaltet der Verband eine Online-Werbekampagne auf großen Internetportalen.



Schweizer wählen E-Voting
Das erste E-Voting-Verfahren der Schweiz ist erfolgreich verlaufen. In Bülach im Kanton Zürich konnten die Bürger erstmals per SMS oder Internet abstimmen, und zwar über die flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen. Von dieser Möglichkeit machten die Wählerinnen und Wähler reichlich Gebrauch. Rund 38 Prozent der 3.919 Stimmen wurden per SMS und Internet abgegeben. Die Wahlbeteiligung war mit 41,5 Prozent für schweizerische Verhältnisse recht hoch. Laut der Neuen Züricher Zeitung gab es bei dem ersten E-Voting-Verfahren keine nennenswerten Probleme. Lediglich die versiegelten PIN-Codes, die aus Sicherheitsgründen nur schwach auf die Wahlunterlagen gedruckt worden waren, hätten manche Wähler nicht gut lesen können. In 93 Fällen führten beschädigte Siegel dazu, dass die Wahlhelfer überprüfen mussten, ob der PIN-Code bereits für eine Stimmabgabe verwendet worden war. Drei Mal war dies tatsächlich der Fall. Die nächste Bewährungsprobe für das E-Voting-Verfahren steht bei den kantonalen Abstimmungen am 27. November in zwei weiteren Zürcher Gemeinden sowie in Genf und Neuenburg an. Die Wähler in Bülach haben die Volksinitiative für Tempo-30-Zonen übrigens abgelehnt.